Die Urgeschichte (Genesis 1–11) heute lesen

«Es gehört zur tiefen Weisheit der Urgeschichte, dass sie das Gute, Schöne und Lebensfreundliche darstellt, aber das Dunkle, Chaotische, Bedrohliche und Lebensfeindliche nicht ausblendet und verschweigt. Sie ist ein Manifest der Hoffnung in perspektiv- und hoffnungslosen Zeiten, um den Menschen Mut zu machen, sich selber und die Zukunft nicht aufzugeben.»

Schöpfung, Adam und Eva im Paradies, Kain und Abel, die Sintflut und der Turmbau zu Babel – diese bekannten Erzählungen machen die ersten elf Kapitel der Bibel aus. Klaus Bäumlin führt verständlich und kompetent in die biblische Urgeschichte ein. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der literarischen Entstehung und Zusammenstellung der biblischen Texte. Bäumlin zeigt auf, dass die Urgeschichte nicht einfach von uralten Dingen erzählt, sondern im Gegenteil die condition humaine in Erzählungen fasst und damit nicht an eine spezifische Zeit gebunden ist. Es geht um das, was die Menschen von Beginn an bis heute im Guten und im Bösen kennzeichnet: die Ambivalenzen von Aufklärung, Freiheit und Fortschritt, die Bewahrung und Bedrohung der Schöpfung. So gelesen wird die biblische Urgeschichte zu einer Chiffre für die Gegenwart. Und sie bezeugt einen Gott, der sich nicht abwendet, sondern verbunden bleibt mit dem, was er geschaffen hat.