Zwingli and Politics

The latest Schattenwurf Zwinglis is up-

Zum ersten Mal wurde der 1. August  im Jahr 1891 zum nationalen Gedenktag der Schweiz, 1994 zum nationalen Freitag. Morgen debattieren Hundertausende beim Brunch auf unzähligen Bauernhöfen über Gott und die Welt. Huldrich Zwingli, der Schweizer Reformator, feierte den 1. August nicht. Wer daraus den Schluss zieht, Politik und Glauben seien zu trennen, der macht die Rechnung ohne den Wirt, ohne den Reformator, den Eidgenossen.

Huldrich Zwingli war ein scharfsinniger Theologe, umsichtiger Pfarrer, weltoffener Humanist, er war von seinem Naturell her ein grossartiger Politiker. Als Priester in Glarus exponierte er sich, inspiriert durch pazifistische Gedanken des Erasmus, gegen den Verkauf von Schweizer Soldaten an fremde Könige. Als Reformator in Zürich kämpfte er für ein neues Ehegesetz und eine neue soziale Ordnung der Gesellschaft. Als Politiker war er von der Vision einer im Glauben und Leben einheitlichen Schweiz getrieben. Er durchbrach den Widerstand der politischen Kräfte in Bern und Zürich und zog in die Schlacht von Kappel.

Zwingli dachte nicht lutherisch in zwei Reichen: Hier der Glaube, da der Staat. Reformation der Kirche ist nach ihm Transformation der Gesellschaft. Dabei galt: Keine revolutionäre Errichtung eines Gottesstaates, auch kein reaktionärer Rückzug aus der Gesellschaft. Das menschliche Recht hatte nach Zwingli in der göttlichen Gerechtigkeit ihre Richtschnur, wie sie in der Bibel entfaltet wird. Die Bibel, die Kirche wie auch das Evangelium sind politisch. Der Glaube, im stillen Kämmerlein mit frommem Gemüt praktiziert, ist immer auch politisches Gewissen im lauten Ratssaal. Die biblische Richtschnur ist dabei das Liebesgebot Christi.

„Was gadt die schnur Christi die Fürsten an?“ (Zwingli) Dreifach gezwirnt ist diese Schnur:

Der Volkswille: Der Souverän mit seiner Entscheidungsgewalt ist hoch zu halten. Die Fähigkeit zum mehrheitsfähigen Schweizerischen Kompromiss ist sprichwörtlich. Doch ebenso wahr ist: Das Volk hat nicht immer Recht, Kompromisse können faul sein. Schreit die Mehrheit des Volkes: „Kreuzige ihn!“, ist dem Volk ins Wort zu fallen, weil Recht gebogen und Unrecht absolut wird. Kein Souverän ist absolute Setzung, sondern relative Vernetzung. Kein Wille des Volkes ist heilig, sondern profane Suchbewegung. Absolut allein ist die göttliche Gerechtigkeit, und heilig ist ausschliesslich Gott. Der Souverän wird mit der Schnur Christi souverän relativiert.

Das Eigentum: Privates Eigentum hat sein relatives Recht innerhalb von menschlichen Ordnungen und rechtmässigen Setzungen. Wer privates oder gemeines Eigentum absolut setzt, vergisst, dass über jedem relativen Eigentum ein anderer, absoluter Eigentümer steht. Daraus entsteht nach dem Zürcher Sozialethiker Arthur Rich eine „für das menschliche Recht grundlegende Eigentumsthese“ Zwinglis: „Du solt din zytlich gut nit für din haben; du bist nur ein schaffner darüber.“ Eigentum ist Teil von Allmend, eigenes Privates schafft soziales Allgemeines, der Freisinn ist das Gegenstück des Gemeinsinns. Das sind politische Grundsätze höchster Tragweite, gewonnen aus dem Anspruch der Schnur Christi.

Das Milizsystem: Die Miliz-Armee webt mit dem Faden der Einheit von Bürger und Soldat, das Miliz-Parlament mit dem der Einheit zwischen Beruf und Politik, der Zivildienst mit dem der Einheit von privatem Leben und allgemeinem Einsatz für die Hege und Pflege. In diesen politischen Stoff Schweizerischer Eigenart gilt es, neu das Muster sozialethischer Verantwortung zu entdecken. Christen mit ihren Kirchen, andere Glaubende mit ihren Synagogen, Moscheen und Tempeln weben daran, unermüdlich. Statt vom Gottesstaat zu träumen oder aufs Jenseits zu vertrösten, versuchen sie, neue Formen von Gerechtigkeit zu wagen und andere Gesichter von Menschlichkeit zu zeigen. Sie arbeiten dabei mit dem Faden göttlicher Liebe.

Die Relativität menschlicher Entscheide und privaten Eigentums verbindet sich mit dem sozialen Engagement für und mit allen zur Politik, die sich an der Schnur Christi orientiert. Was nun, wenn sich die Fürsten absolut setzen? Für Zwingli absolut klar: „So sy aber (die Obrigkeit) untrülich und usser der schnur Christ faren wurdind, mögen sie mit got entsetzt (abgesetzt) werden.“

About Jim

I am a Pastor, and Lecturer in Church History and Biblical Studies at Ming Hua Theological College.
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