Oswald Myconius: Briefwechsel 1515–1552

9783290178901This two volume edition of the letters of Oswald Myconius will be a boon to students of the Swiss Reformation.

Oswald Myconius (1488–1552) war Schulmeister in Basel, Zürich und Luzern, Mitarbeiter und erster Biograph Zwinglis und ab 1532 als Münsterpfarrer Vorsteher der Basler Kirche. Sein Briefwechsel ist mit 1338 Briefen eine ausserordentlich ergiebige Quelle zur schweizerischen und europäischen Reformationsgeschichte. Er dokumentiert das Informationsnetzwerk und die Entscheidungsprozesse der politschen, kirchlichen und theologischen Eliten im schweizerisch-oberdeutschen Raum, insbesondere in den Jahren 1531 bis 1552. Zu den Hauptkorrespondenten von Myconius zählen Zwingli, Bullinger, Bibliander, Bucer, Capito, Vadian und Calvin.

Rainer Henrich fasst den Inhalt sämtlicher erhaltener Briefe erstmals in heutigem Deutsch zusammen und erschliesst sie durch ein Orts- und Personenregister und ein Bibelstellenverzeichnis. Den Briefregesten voraus gehen eine biographische Einleitung zu Oswald Myconius auf neustem Forschungsstand sowie ein Werkverzeichnis.

myconius

It includes a CD of the entire collection as well as the printed works.  Many thanks to the Verlag for sending the set for review.

The collection begins with a quite helpful introduction which extends from page 7 through page 108.  101 pages which, had the publisher chosen, could easily have been sent out into the world as a separate volume.  Myconius, his work, and his world are all discussed whilst the primary achievement is the summation of his theology as evidenced by his letters.  The letters are nicely summarized in modern German so that they are utterly accessible to readers and thoroughly annotated for maximum historical comprehension.

The remainder of the first volume provides primary source materials for the Swiss Reformation in the form of letters to and from Myconius.  And unlike more formal theological tractates and books and Flugschriften, letters allow us to see into the inner workings of the Reformers minds and the motivations which drove them.

The second volume contains both dated letters from 1542 till 1552 and undated letters which themselves provide quite intriguing information.

The second volume also includes indices of places and people and scripture.  The collection of letters commences thusly:

Am 12. Juli 1536 starb Erasmus von Rotterdam. Dem grossen Humanisten, der sich nie der Reformation angeschlossen hatte, wurde gleichwohl ein Begräbnis im Basler Münster zugestanden. Die Abdankung hielt der damalige Antistes der Basler Kirche, Oswald Myconius. Dass dem Geistlichen der Verstorbene viel bedeutete, wird aus seinem Bildungshintergrund deutlich, vor allem aber aus seinem Exemplar des «Lobs der Torheit», das er schon als Student zusammen mit dem Künstler Hans Holbein durchgearbeitet hat: die Randbemerkungen des einen und – ungleich berühmter – die karikaturhaften Skizzen des anderen zeugen bis heute davon. Myconius’ Wertschätzung für Erasmus beruhte womöglich nicht auf Gegenseitigkeit, aber der Verstorbene wurde nicht mehr gefragt.

Schon diese Episode (s. dazu in der Einleitung S. 11 und 20, auch Anm. 38 auf  S. 17) macht deutlich, wie vielschichtig die Interaktionen zwischen den Repräsentanten des geistigen Lebens waren und wie wenig mit schlichten Kategorien wie Reformator, Humanist und Künstler geholfen ist. Dass die Vernetzungen sich vielfach in einer reichen Korrespondenz spiegeln und dass die Netze breit und erstaunlich intensiv geknüpft waren, ist eine häufig geäusserte Einsicht. Sie ist aber erst dann von Nutzen, wenn sie konkret nachvollziehbar und so mit Leben gefüllt wird. Das geschieht im vorliegenden Band: ein weiterer wesentlicher Mosaikstein im immer präziser werdenden Bild des geistigen Lebens der Reformationszeit.

Interesting facts are found throughout.  For instance, on 25 March, 1525 Myconius writes Farel and the letter is summarized thusly:

Anémond [de Coct] ist gestorben und hat gewiss den Lohn seines Glaubens empfangen; an uns ist es, so zu leben, dass auch wir zum gleichen Ziel gelangen. Vor Anémonds Abreise aus Zürich hat man mit der bejahrten Kostgeberin [N. N.] von dessen Adoptivsohn [N. N.] abgerechnet, wobei er ihr 3 Gulden und acht Schilling schuldig blieb; für die seither vergangenen vier Wochen sind je zwei Batzen bzw. fünf Schilling zu entrichten. M. weiss nicht, wie lange der Knabe [in Zürich] bleiben soll, und hofft, dass ihn F. im Namen der Brüder Anémonds [Guigo und Laurent] wegführen lässt. M. als dessen Treuhänder wäre andernfalls verpflichtet, den Knaben zu sich zu nehmen, weiss aber nicht, woher er die Mittel dazu nehmen sollte, während dies anderen leichtfällt – Anémond sprach von einem kinderlosen Bruder [Laurent], der den Knaben gerne bei sich hätte. M. bittet F. dringend, sich um den Knaben zu kümmern, die alte Frau zu bezahlen und ihn selbst zu entlasten. Was [in Zürich] mit den Täufern gehandelt wurde, wird Georg [N. N.] berichten.

Few tools will assist historians and theologians whose primary focus is the 16th Century Swiss Reformation the way these two volumes will.