Petrus Dathenus und der Heidelberger Katechismus

9783525552476Der Heidelberger Katechismus zählt zu den zentralen Lehr- und Bekenntnisschriften des reformierten Protestantismus. Bei seiner Abfassung wurde in nicht unerheblichem Maße auf Stoff aus älteren Katechismen reformierter Prägung zurückgegriffen. Neben dem großen und dem kleinen Katechismus von Zacharias Ursinus (1534–1583) und dem Genfer Katechismus Johannes Calvins (1509–1564) sind dies insbesondere eine Reihe niederländischer bzw. niederdeutscher Katechismen. Die Rezeption letzterer wird in der Forschungsliteratur häufig auf den Einfluss einer Gruppe niederländischer Glaubensflüchtlinge zurückgeführt, die 1562 im leerstehenden Kloster Frankenthal in der Kurpfalz Asyl fanden.

Der Prediger dieser Gruppe, Petrus Dathenus (1531/32–1588) steht dabei exemplarisch für die (west-)europäische Ausrichtung der Kurpfälzischen Politik in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: Als Theologe setzte er sich intensiv für die Verbreitung des Heidelberger Katechismus in der Niederlande ein, als Gesandter des Kurfürsten versuchte er, Einfluss auf die spannungsreiche politische Lage in seinem Heimatland zu nehmen.Tobias Schreiber untersucht die Frage, ob es tatsächlich jener Petrus Dathenus war, der die spezifisch niederländische bzw. niederdeutsche Katechismustradition in den Entstehungsprozess des Heidelberger Katechismus einbrachte und so den konfessionellen Wandel in der Kurpfalz um 1563 mitprägte. Der Autor nimmt dabei auch die 1563 kurz nach dem Katechismus veröffentlichte Kurpfälzische Kirchenordnung in den Blick.

V&R continue to bring to press volumes which expand our understanding of the Reformation by introducing a wider public to the life and work of generally unknown scholars.  This revised dissertation continues that tradition.

Tobias Schreiber first brings to our attention the status questionis and then launches straightaway into an examination of Dathenus’ pilgrimage from papacy to Reformed and his sojourn in London where he learned the faith more deeply and commenced in seriousness his own theological work.  From there we follow Dathenus’ further theological development as it is evidenced in his various compositions.

Throughout the volume the importance of various theological traditions is on full display.    More precisely, it is shown that one of the Reformed tradition’s most underrated thinkers was the product of many giants upon whose shoulders he stood.  We are privy to the truth that no person is influenced only by one idea or one document.  That is certainly true of Dathenus, whose own thought is shown to be the consequence of the blending of many streams of theological influence.

This is shown by copious documentation and by the frequent setting side by side of various theological texts along with Dathenus’ own works.  The result is a very fine study worthy of scholarly attention.  And Dathenus is very much worth reading in and of his own right.  He opines

Vom Anfang der Erneuerung des Evangeliums an haben sie (sc. die Evangelischen) alle übereinstimmend gelehrt, dass Christus das eine Haupt, Fundament, der eine König, Lehrer und Priester der Kirche sei, durch den die Gläubigen umsonst, allein aus Glauben ohne jede Werke von Gott gerecht gesprochen würden […]. Sie lehrten, dass die Kanonische Schrift vollständig [integram] und vollkommen [perfectam] sei, und dass in ihr nichts, was zum wahren Glauben und zur wahren Frömmigkeit notwendig ist, ausgelassen sei – dass ihr nichts hinzugefügt werden braucht noch kann: Dies bekennen sie bis jetzt offen (p. 193).

Or this:

„So definiere ich die Kirche: Die sichtbare Kirche Christi ist die Versammlung all jener sowohl wahrhaft Gläubiger als auch Heuchler, die das reine Evangelium bekennen, wobei sie die unreine Lehre fliehen, Christus als das eine und höchste Haupt, als Heiland, Priester und Mittler anerkennen und die Sakramente und die von Christus übergebenen Schlüssel recht gebrauchen“ (p. 194).

And the discussion of the Scriptures (on pages 198ff) is simply brilliantly insightful.  Proving, yet again, that anything we might say about theological matters has already been said long ago, and better; and all we need do is comb the archives to discover the un-mined riches of our own theological tradition.

About Jim

I am a Pastor, and Lecturer in Church History and Biblical Studies at Ming Hua Theological College.
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