A Summary of the Emil Brunner Tagung of 12 September

RÜCKBLICK DER TAGUNG

Nach den einführenden Grussworten stellte der Brunner Biograph Frank Jehle den Gelehrten anhand von Bildern und pointierten Bemerkungen zu Wegstationen, Gefährten und Werken, dar. Emil Brunner, Sohn eines Primarlehrers und einer Pfarrerstochter, wurde als strebsamer junger Pfarrer von Hermann Kutter und Leonhard Ragaz geprägt. Nach der Katastrophe des 1. Weltkriegs suchte er zuerst mit anderen von der dialektischen Theologie geprägten Theologen, dann eigenständiger den christlichen Glauben gesellschaftsbezogen zu reflektieren und eingängig zu vermitteln.

Brunner trieb Theologie Im Horizont von Philosophie und Naturwissenschaften. Um den Kontakt zu den Menschen nicht zu verlieren predigte er sehr häufig. Er hatte viele Studenten, Freunde und Verehrer. Durch seine Bücher und Reisen wurde der Zürcher weit über Europa hinaus wahrgenommen. Er pflegte Kontakte in der angelsächsischen Welt und Asien und engagierte sich in Bewegungen (Oxford-Gruppenbewegung, ökumenische Bewegung Life & Work, CVJM).

Nach diesen spannenden biographischen Erläuterungen sprach McGrath über Brunner und lieferte ein unheimlich spannendes Referat. Emil Brunner verdiene es, neu gelesen und diskutiert und in Teilen rehabilitiert zu werden.

McGrath nannte sechs Aspekte, mit denen Emil Brunner für heutiges theologisches Denken anregend und wegweisend bleibe. Einer dieser Aspekte war die Auffassung von Wahrheit als Begegnung und somit ein dialogisches Verständnis von Wahrheit. «Indem wir in Beziehung zu Gott treten, entdecken wir, wer wir sind und warum wir Bedeutung haben.» Emil Brunner kam von der Lehre Gottes und der Christologie, auf welche die dialektische Theologie ihren Fokus hatte, zur Anthropologie. Der Systematiker verstand Identität relational: aus der Beziehung mit Gott. Dabei habe er Gedanken von Martin Buber, Ferdinand Ebner und anderen eigenständig weiterentwickelt, sagte McGrath. Dies bestimmte auch sein Verständnis von Wahrheit: Sie ist «nicht ein objektives Statement, sondern etwas, das mich verwandelt und mich ergreift».

Der Gast aus Oxford würdigte die «theologisch informierte Vision der menschlichen Natur», die es Brunner erlaubte, den totalitären Bewegungen der 1930er Jahre entgegenzutreten: Gott sichert den einzigartigen Wert jedes Menschen. Dies ist von grösster Bedeutung angesichts der Wissenschaftsgläubigkeit des neuen Atheismus, der im Menschen nur Atome und soziale Kräfte am Werk sieht.

Auf den Gast aus Oxford folgte der Zürcher Alttestamentler Konrad Schmid. Er schilderte den hürdenreichen Weg Brunners auf den Zürcher Lehrstuhl (Antritt 1924) und die folgende heftige Erbsünde-Kontroverse mit liberalen Alttestamentlern. Der junge Professor kritisierte, dass diese die Bibel als profanes Buch behandelten, und forderte eine alttestamentliche Wissenschaft, «die statt des religiösen Humanismus den christlichen Glauben zur Voraussetzung hat». Laut Schmid traten im Schlagabtausch «zwei Weisen des Umgangs mit der Aufklärung» zu Tage.

Nach der Mittagspause ermöglichten sieben Workshops die Diskussion einiger Texte Brunners. DIese Texte wurden in den Gruppen jeweils auf aktuelle Fragestellungen bezogen und somit im heutigen Fragehorizont besprochen. Ralph Kunz und Walter Dürr kommentierten die zu Papier gebrachten Gesprächsergebnisse. Emil Brunner ist bis heute relevant und es lohnt sich, sich mit ihm zu beschäftigen.

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About Jim

I am a Pastor, and Lecturer in Church History and Biblical Studies at Ming Hua Theological College.
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